Zum Inhalt der Seite gehen


Würde gerne eine Zeitreise-Talksendung sehen, in der ein Deutscher Sozialist aus dem Widerstand, eine jüdische Guerillakämpferin sowie Mitglieder der polnischen Exilarmee den Vulgärpazifismus einiger Zeitgenossen mal ausführlich auseinandernehmen. Ich meine - den Leuten ist schon klar, dass sie heute nur deshalb in Talkshows frei reden können weil andere mal für Werte wie Demokratie & Menschenrechte zur Waffe gegriffen haben?!
Wenn dir eine Sendung nicht gefällt: Schalte aus.
Puh… ich bezweifle doch stark, dass besagte Sozialisten und Guerillakämpferinnen sich auch nur annähernd mit dem identifizieren könnten, wofür Kiesewetter, Merz & Co. meine Altersgenossen und mich gerade im Rheinmetall-Panzer sehen wollen.

Ansonsten wäre ich an dem Austausch interessiert. Aber dann vielleicht auch nur, um zu erkennen, dass ich mit allen denen nichts gemein habe.
"Den Leuten ist schon klar, ... dass andere mal für Werte ... zur Waffe gegriffen haben..."

Also denen, die berufsmässig in talkshows sitzen, ist das wohl wirklich klar.

Aber ich habe nicht den Eindruck, dass den meisten Leuten klar ist, dass die Demokratie und der Rechtsstaat, dass die Freiheit und Personenfreizügigkeit, Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen und Informationen, nicht vom Himmel gefallen oder sogar schon immer da war.

Noch weniger kommen sie auf den gedanken, dass sie selbst persönlich und das jetzt, etwas dafür tun müssten, dass das erhalten bleibt.

Es gibt aber ein paar hundert tausend, die gerne für ein crowdfunding für den Adenauer SRP spenden, oder ein Päckchen mit einer Tasse an Merz schicken. Das scheint ein gutes gefühl zu machen (im gegensatz dazu mal ein foto davon in wikipedia hochzuladen).
Sehr richtig.
Pazifismus funktioniert nur, wenn dein Gegenüber die selben Werte hat wie du. Wenn das noch so ist, bist recht schnell im Gefängnis oder tot.
Menschen, die noch nie in einer Diktatur gelebt haben, können oder wollen das nicht verstehen.
So jedenfalls, habe ich das sehr oft in meinem Leben erlebt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Heute bei Maischberger History Talk: "Jüdisches Leben in Deutschland, gehört es dazu?" ... "Zu Gast in der heutigen Sendung: Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler und Richard David Precht"
Hatte mal in Hart aber Fair rein geschaut, da hat Ole Nyomen sinngemäß gemeint, ich riskiere mein schönes Leben doch nicht für andere.
Das ist Unsinn.
Wir sind aktuell frei und können in Talkshows Quatsch erzählen, weil sich die Menschen vor Jahrzehnten für Demokratie und Meinungsfreiheit ENTSCHIEDEN haben. Und das hätten sie auch bei den Wahlen von 1933 tun können.
Nach Kriegen sind häufig genug Despoten an der Macht – ein Krieg gewährleistet keineswegs, dass dadurch die Demokratie entsteht.
Diplomatie und strenge Embargos sind eine gute Strategie.

#FriedenschaffenohneWaffen #Diplomatie #Embargo

@kattascha
Die denken ja auch, dass Gandhi immer recht hatte oder wenigstens der Meinung war, dass seine Strategien immer funktionieren würden.

Wissenschaftlich betrachtet hat Gewaltlosigkeit sogar häufiger versagt als Erfolg gehabt, deswegen greifen ja auch echte Tyrannen die Zivilgesellschaft als ganzes an. Gewaltlosigkeit funktioniert nur in einer Zivilgesellschaft, nicht in einem Krieg eines Unterdrückers gegen ein ganzes Volk.

Zum Beispiel kurz in diesem Aufsatz

https://www.researchgate.net/publication/352357722_The_Limits_of_Gandhian_Non-Violence
Wer den Griff zu den Waffen für den richtigen Weg hält, ist leider dem Framing der Rüstungsindustrie auf den Leim gegangen.
Waffen haben noch nie Frieden gebracht. Immer erst Verhandlungen – und die kann man auch ohne Gewalt führen ;-)
Wenn es um die Bosetti-Sendung ging: Ich hatte schon herausgehört, dass ihm der Umstand schon irgendwie bewusst ist. Soweit ich es verstanden habe, würde er (persönlich) nur lieber unterdrückt leben, als für die Freiheit (potentiell) zu sterben. Das an sich ist ja auch eine legitime Einstellung. Der Übertrag der pazifistischen Idee auf die Gesellschaft war dann aber m.E. ungenügend und wenig zu Ende gedacht.
du begibst dich auf dünnes Eis. Ein Vielfaches der Menge hat, und greift zur Waffe dagegen, treten gegen Menschenrechte ein und zerstören mit waffen Demokratie, auch heute, sie Russland, USA, aber auch Israel - heute schon wieder viele Tote. Vugärpazifismus, was soll das? Schmeiß nicht alles in einen Topf. Meine Hochachtung für Widerstands Kämpfer, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass die auch Pazifisten waren, sind.
Ich hätte gern noch eine Anarchistin aus dem spanischen Bürgerkrieg mit in der Runde.
die Freiwilligen-Bataillone stehen auch gewiss dir offen, wenn du Waffengewalt als moralisch verpflichtend empfindest.
Der #LumpenMilitarismus kotzt mich auch ganzschön an.
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (2 Wochen her)
Gegen Frage, hast du gedient Katha? Warst du beim Bund oder den poln. streitkräften? Bist du in der Reserve?
Wenn all das nicht, musst du mir erstmal glaubhaft erklären, warum andere für deine Freiheit sterben können, und du damit moralisch besser da stündest.
Meine Antwort darauf u.a. Kriegsdienstverweiger*innen unterstützen. Wenn keiner kämpft, gibts auch kein Krieg. https://de.connection-ev.org/
Wer sagt denn, dass linke "Vulgärpazifisten" nicht zur Waffe greifen würden? Nur halt nicht im Team Olivgrün, sondern im Team Klassenkampf.

Aber lieb, wie man immer versucht, wenn's brennt, diejenigen zu beschämen, die seit Jahr und Tag predigen, dass mit weniger aggressivem Imperialismus und weniger innerer sozialer Ungleichheit weniger Gründe gibt, aufeinander zu schießen.
Vielleicht nehmen sie ja den Vulgärmilitarismus der heutigen Zeit auseinander…

Wir rüsten jetzt während eines Rechtsrucks auf, produzieren tumbe Feindbilder, hängen einer unipolaren Welt nach, während der Führer genau dieser „freien Welt“ ein völlig durchgeknallter Faschist ist, der aber nur die Steigerung seiner völlig falsch hochgejazzten Vorgängers ist.

Und mal zu den Kriegsgegnern im 2. Weltkrieg: die Hauptlast trug die stalinistische Sowjetunion, garantiert kein Hort der Freiheit, Menschenrechte und Demokratie. Und dann gab's noch die USA mit ihrer Segregation, die Franzosen und Briten mit ihren zusammengeraubten Imperien, und der Rest war verbündet (die faschistischen KMT-Chinesen nur bis zum Einmarsch der Japaner in der Mandschurei).
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (2 Wochen her)
Ich glaube, ich verstehe die ehrenhafte Motivation des Posts, aber die undifferentzierte, diffuse und stark abwertende Formulierung

"den Vulgärpazifismus einiger Zeitgenossen mal ausführlich auseinandernehmen."

trägt IMHO nicht zu einer guten Lösung bei.

Dass ein Plädoyer für das die nächste Umdrehung der Aufrüstungsspirale in Zeiten von Klima- und Demokratiekrise auch nicht gerade vor Überzeugungskraft strotzt – egal. Hauptsache markigen Spruch rausgehauen.

@kattascha das kannst du besser.
Vulgärpazifist, wer denkt sich denn sowas aus.

Ich finde die Einschätzung "Ich meine - den Leuten ist schon klar, dass sie heute nur deshalb in Talkshows frei reden können weil andere mal für Werte wie Demokratie & Menschenrechte zur Waffe gegriffen haben?!" ziemlich pauschalisierend. Um sowas zu sagen, müsste man erstmal den Lebensweg eines jedes einzelnen beleuchten. Ich denke, sie können auch deswegen in Talkshows sitzen, weil sich viele Männer von der Rolle des soldatischen Unterdrückers entledigt haben und deshalb in einer Gesellschaft leben, in der es halt nicht mehr darum geht, besonders hart zu sein. OK, war mal. Mittlerweile überall Rolle Rückwärts. Leider. Das heißt aber nicht, das man den stattgefunden Prozess einfach ignorieren kann oder das er nichts gebracht hat. Je mehr Männer sich von dieser Rolle befreien, umso besser sind die Chancen das ein Diktator kein ausreichendes Personal hat um sein Diktatur mit Waffengewalt durchzusetzen.

Zu sagen, jemand lebe nur, weil irgendwann mal jemand zur Waffe gegriffen hat... kommt mir irgendwie so vor, wie wenn jemand bei Trump sitzt und sich anhören muss, er solle dankbar sein.

1/2
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (2 Wochen her)
Am schlimmsten sin die, die den Frieden unter dem starken Papa Putin begrüßen würden
sicherlich interessant aber eben nur hypothetisch. Stellvertretend können wir dies aber auch selber machen.
Pazifismus und ein paar gute Kritikpunkte dazu sind auf Wikipedia zu finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Pazifismus (siehe Kritik)
Ole bei Bosetti hatte imho ein paar sehr dünne und schlechte Argumente, wenn er den wirklich etwas anderes sagen wollte als "ich werde keine Gewalt einsetzen und will auch nicht, dass der Staat/Andere das tun".
Klar wollen die meisten Leben schützen, aber wann 1/2
Ne, ist denen nicht klar.
ein Teil der Friedensbewegung ist schon immer anfällig für Kreml-Propaganda. Das Ziel ist klar, es soll möglichst keinen Widerstand gegen Russlands Angriffskriege & Massaker geben. Die Opfer der Attacken sollen wehrlos sein, niemand soll sie unterstützen. Die Angreifer sollen als Friedensbringer gelten und die Opfer als wahren Kriegstreiber. Die Strategie ist langfristig erschreckend gut aufgegangen. Wer diese Propaganda verbreitet ist aus meiner Sicht kein Antifaschist.
auch der Terror der Naziherrschaft wurde nicht durch Friedenstauben schwenkende Deutsche beendet.
Sicherlich auch ein wichtiger Punkt den man bei der Meinungsbildung zum Pazifismus beachten sollte: wenn ich es richtig verstehe, war es rund um den 1. Weltkrieg wohl so, dass eine pazifistisch gesinnte Strömung gab, die durchaus einen gewissen Machtfaktor hatte. Als Politiker Einfluss nehmen zu können - das gab es damals noch nicht so lange und das war sicherlich auch ein Grund warum die Strömung zu der Zeit nicht ganz unpopulär war.

Es gibt aber auch noch eine andere Strömung, bei der Pazifismus gewissermaßen heimisch ist:

https://en.wikipedia.org/wiki/Anarcho-pacifism
Pazifistisch oder militärisch - diese Frage steht schon lange für die Entscheidung, das Morden von nicht militärisch Beteiligten aus Kostengründen in Kauf zu nehmen - oder eben nicht.

Pazifismus hat noch nie solch eine Rechnung aufgestellt.
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (6 Tage her)