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Litauen verlässt Streubomben-Abkommen

Streumunition gilt als besonders grausam - international ist sie geächtet. Litauen ist nun aus dem Abkommen zum Streubomben-Verbot ausgetreten - aus einem ganz konkreten Grund. Von Sophie Donges.

➡️ https://www.tagesschau.de/ausland/europa/litauen-streubomben-abkommen-austritt-100.html?at_medium=mastodon&at_campaign=tagesschau.de

#Streubomben #Litauen
"Wir brauchen alle verfügbaren politischen und militärischen Instrumente zur Abschreckung und Verteidigung", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Karolis Aleksa im Interview mit der tagesschau. Russland sei ein Aggressor - nicht nur im Bezug auf die Ukraine, sondern möglicherweise auch gegen Litauen. "Russland setzt Streumunition in der Ukraine ein. Deshalb müssen auch wir alle verfügbaren Mittel einsetzen können." Das schließe Streumunition ein.
ich tue mich momentan sehr schwer mit der Bewertung dieses Schritts Litauens. Einerseits ist klar: der Einsatz von Streumunition ist grausam und besonders für Zivilpersonen noch nach Jahren höchst gefährlich! Deswegen war und ist das Oslo-Abkommen weiterhin wichtig und richtig! Andererseits: in Mitteleuropa haben wir über ein halbes Jahrhundert Frieden (i.S.d. Abwesenheit von Krieg) gehabt, weil beide Seiten damit rechnen mussten, bei einem Angriff „mit gleicher Münze zurückgezahlt“ zu bekommen. Verzichtet aber eine Seite auf bestimmte Waffen, ohne dass die andere dies ebenfalls tut, erhöht sich die Gefahr, dass ein potentieller Angreifer zu dem Ergebnis kommt, ein Angriff sei für ihn mit geringerem Risiko verbunden und daher losschlägt. Man könnte also argumentieren, der Verzicht auf bestimmte Waffensysteme erhöht für den Verzichtenden die Gefahr, Opfer eines skrupellosen Angreifers zu werden, und macht einen Angriff daher wahrscheinlicher - eigentlich ein perverser Gedanke!
Wir werden uns als Rotkreuz-/Rothalbmondbewegung vermutlich darauf einstellen müssen, künftig in noch höherem Maße mit den Auswirkungen unkonventioneller Waffen zu tun zu bekommen als dies heute ohnehin schon ist.

Ein Vergleich zur Lage Deutschlands im sog. „Kalten Krieg“: Bundeskanzler Adenauer hatte bereits im Oktober 1954 in der Londoner Neun-Mächte-Konferenz völkerrechtlich verbindlich den Verzicht der Bundesrepublik auf atomare, biologische und chemische Waffen erklärt. Dessenungeachtet musste Deutschland jedoch damit rechnen, Ziel solcher Waffen zu werden; der einseitige Verzicht hatte dieses Risiko nicht verkleinert oder gar aufgehoben, weswegen auch gerade der ABC-Schutz in den Anstrengungen zum Bevölkerungsschutz besondere Bedeutung erhielt.
Schade eigentlich, dass das Zusammenleben der Völker anscheinend noch immer von der Frage bestimmt ist, wer die dickste Keule hat und derjenige mit der kleinsten Keule noch immer Gefahr läuft, diese über den Schädel gehauen zu bekommen, wenn er sich nicht wehren kann!
#redcrossredcrescent #drk
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (4 Wochen her)
In den 1980ern wurde diese Art von Munition noch in P.M. gefeiert.
weil sie nicht völlig verblödet sind und mit gefeeselten Händen in einen Kampf gehen wollen? Oder gibt's noch andere Gründe?
Richtige Antihelden vibes 🙈
wir sind nicht die Guten.
Ich sehe das auch als klare Konsequenz der Abkehr der Supermächte von einer regelbasierten Weltordnung: Wenn Regelverstöße, wie ein Überfall auf einen Nachbarstaat, ohne ernste Konsequenz *) bleiben, und die USA defacto im Begriff sind, die Seiten zu wechseln, bleibt nur die Selbstverteidigung. Und da steht Effektivität und Effizienz über moralischen Erwägungen.
Ist das gut? Nein. Aber folgerichtig.

*) Territoriale Integrität der Ukraine immer noch nicht wiederhergestellt